Hermann Finsterlin, geb. 1887 in München, gestorben 1973 in Stuttgart, Architekt, Maler und Poet. Obwohl Finsterlin hauptsächlich als expressionistischer Architekt bekannt ist, erstreckt sich sein Œuvre bis in andere Bereiche wie Malerei und Dichtung. F. studierte zunächst Medizin, Physik und Chemie, außerdem Philosophie und Malerei in München. Er entwarf vorwiegend phantastische Architektur, die sich durch eine weiche, fließende, biomorphe Formensprache auszeichnet. Entdeckt wurde der Auditakt F. durch die von Walther Gropius 1919 arrangierte „Ausstellung für unbekannte Künstler“. F. war Mitglied der „Gläsernen Kette“ und gilt auch heute noch als Antipode der Bauhausideologie.
Neben seinen architektonischen, schriftstellerischen und malerischen Versuchen sind vor allem seine Spielsachen bemerkenswert, die er hauptsächlich für seine beiden Kinder entwarf. Bei einigen von ihnen wie zum Beispiel dem „Stilspiel“ oder dem „Formdomino“ und den „Didyms“ lassen sich nicht nur Parallelen zu seinen utopischen Konzepten finden, sondern insbesondere deren historische Ursprünge ableiten. Laut F. kann man „die großen Völkerstile“, die der Stilbaukasten in „der reinen Form“ der Kultbauten zeige - Tempel, Pyramide, Pagode, Moschee, Dom - erkennen. So sollte auch das „Stilspiel“ diese spielerisch ins Bewusstsein bringen. Während also die reinen Kultbauten im „Stilspiel“ dargestellt wurden, splitterte F. in den "Formdominos" diese primären Formelemente auf. Die Spieler konnten diese dann wieder neu zusammensetzen. Die"Didyms" (griech. zweifach, doppelt; subst. Zwilling), zeigen solche von F. selbst entworfenen spielerischen Zusammensetzungen aus primären Formelementen. Außer den architektonischen Spielereien entwarf F. allerlei Tierspielzeug und Requisiten. F. war begeisterter Papiertheaterspieler und entwickelte F. mit seinen Kindern wahre Theaterspektakel. Für diese dichtete er nicht nur, sondern entwarf ebenso das Bühnenbild sowie die Requisiten. Viele der ausgestellten Spielsachen wie Regenbogen, ebenso wie Wolkenkuckuck, Ratte, Zweifelswagen, Schildkröte, Elefant oder Schlange haben mit großer Wahrscheinlichkeit als Protagonisten der Theaterstücke gedient.