Claudia Tittel

Günther Förg
Kurzbiografie

Dr. phil. Claudia Tittel in: Kurzbiografien für Katalog „Kunst – ein Kinderspiel“ der Schirn-Kunsthalle Frankfurt am Main. Frankfurt am Main 2004.

 

Günther Förg, 1952 in Füssen im Allgäu geboren, Maler und Fotograf, lebt und arbeitet in Areuse (Schweiz). Er studierte von 1973 bis 1979 an der Akademie der Bildenden Künste München bei Karl Fred Dahmen. Von 1992 bis 1998 war er Professor für Malerei an der Staatlichen Hochschule für Gestaltung in Karlsruhe, seit 1999 unterrichtet er an der Akademie der Bildenden Künste München in den Fächern Malerei und Grafik. Sein Œuvre umfasst Wand- und Tafelbilder, Zeichnungen, Aquarelle, eine große Anzahl grafischer Arbeiten, großformatige Fotografien und Bronzeskulpturen. Den Anfang der künstlerischen Tätigkeit Förgs markieren große monochrome Gemälde, die ab 1974 entstanden. Seit 1976 experimentiert er mit unterschiedlichen Bildträgern wie Blei, Aluminiumflächen oder Wänden. Ein zentraler Aspekt seiner Arbeit sind installative Momente, so dass auch räumlich-bildhafte Qualitäten innerhalb der konkreten Ausstellungssituation untersucht werden.

Im Zusammenhang mit der Ausstellung Kunst – Ein Kinderspiel sind besonders Förgs aus Papier und Pappe gebastelten Spielsachen bemerkenswert, in denen sich Analogien zum gesamten malerischen Œuvre des Künstlers finden lassen. Außerdem zeigen sie seinen spielerischen Umgang mit dem Werk von Exponenten der Moderne wie Piet Mondrian, Barnett Newman, Jean Fautrier oder auch Blinky Palermo. Bei dem aus Pappe gebauten Baukasten sticht vor allem die Farbigkeit der an den Seiten jeweils monochrom bemalten Würfel hervor. Sie ergeben, nebeneinander im Kasten liegend, ein zusammengesetztes Farbfeldbild, dessen Farben sich in Kastenelementen wie den Innenwänden, der Oberseite des Deckels oder dem Boden wiederfinden. Am Baukasten lässt sich nicht nur die für Förg typische Formensprache erkennen, die seinen aus monochromen Flächen, Streifen oder Rastern bestehenden Motivfundus kennzeichnet, sondern auch sein lässiger Pinselduktus. Gleichermaßen bemerkenswert sind die aus mit Bunt- oder Wachsstift bemaltem Papier gefertigten Fingerspiele Himmel und Hölle sowie die aus Zeichnungen zusammengestellten Daumenkino-Büchlein, die auf Förgs zeichnerisches Werk verweisen. Charakteristisch ist das von Förg inaugurierte Spiel mit geometrisch und figurativ abstrakten Formen und Farbflächen. Dass nur auf der rechten Bildhälfte der Daumenkino-Büchlein Zeichnungen zu finden sind, entspricht Förgs serieller Arbeitsweise, die es ihm ermöglicht, immer neue Varianten teils abstrakter, teils räumlicher Bildflächen zu erfinden.